Samstag, 20. Mai 2017

Eukalyptus-Extrablattfuß-Extrakt



Es war so Sonntagmorgen und die Arzt-to-do-Liste schrumpfte nicht unbedingt. Ich hüpfte gerade über Station 23, versenkte ein paar Kanülen und versicherte am Telefon, dass ich natürlich in 5 Minuten in der Notaufnahme erscheinen würde, um den Patienten mit unklaren Herzrhythmusstörungen feierlich zu begrüßen.
„Stoooop!“ rief hier Schwester Gerda, „du darfst nicht gehen!“ Leider bot sie mir an dieser Stelle kein großes Stück Kuchen an, sondern erklärte, ich müsse noch bei Frau Birkenhuf vorbei. Die hätte die ganze Nacht über geschimpft und keiner wüsste mehr weiter.
Ich hatte ganze Nacht geschlafen, bis auf die Zeit in der ich größere Teile der Serie „Gotham“ geschaut hatte. Ob das jetzt so eine kluge Entscheidung gewesen war, weiß ich auch nicht, aber ich ging hin zu Frau Birkenhuf und fragte was denn los wäre.
Ja nichts passiere hier in diesem Krankenhaus. Da wäre sie extra gekommen wegen der Beschwerden und keiner würde ihr helfen!
Ich setzte zur üblichen knappes-Personal-am-Wochenende-Erklärung an und ob denn akut Beschwerden da wäre.
„Natürlich“, sagte Frau Birkenhuf sie habe immer noch diese Schmerzen beim Atmen. „Möchten sie denn gern ein Schmerzmittel? In der Akte steht sie haben vermutlich eine Rippenfellentzündung.“
„Nein, nein, bloß kein Schmerzmittel!“ sagte Frau Birkenhuf. Sie nehme schon viel zu viele Medikamente. Da wolle sie nicht auch noch ein Schmerzmittel.
„Ah. Hhm.“
Daheim habe sie immer Inhaliert. Das habe auch gut geholfen.
„Ahja“, sagte ich, „wenn sie möchten können sie auch bei uns inhalieren. Ich werde es gleich der Schwester sagen, damit sie…“
„Nein, nein“, sagte Frau Birkenhuf, das wolle sie nicht, sie inhaliere nur mit dem Eukalyptus-Extrablattfuß-Extrakt von Milboni. Alles andere helfe nicht.
„Möchten sie es nicht einfach mal mit unserer Inhalationsmaske ausprobieren?“
„NEIN!“
An dieser Stelle starrte ich Frau Birkenhuf ratlos an. Diese realisierte nun zum Glück, dass ihr auf diese Weiße irgendwie auch nicht zu helfen war. Sie seufzte tief und entließ mich mit einem: „Ach gehen sie einfach wieder.“
Jop. Und auch ihnen einen netten Sonntag.
„Gotham“ könnte ich als Serie empfehlen.


Samstag, 13. Mai 2017

Foyerbegegnungen



Es war mitten in der Nacht. Draußen war es dunkel, innen aber nicht, denn in so einem Krankenhaus brennt immer Licht.
Das Foyer war menschenleer. Da ich dies so antizipiert hatte, hatte ich mir mit meinem Post-irgendwie-zu-lange-Schicht-Erscheinungsbild jetzt nicht so viel Mühe gegeben. Das auf links gedrehte T-Shirt würde ich a) zuhause sowieso wieder ausziehen und b) wurde es zur Hälfte von der angeknitterten Jacke überdeckt.
So eilte ich nun also eben jenes Foyer durchquerend dem Ausgang zu, als zwei ältere Herren die Klinik betraten, sich kurz umschauten und zielstrebig auf mich zu gingen.
„Haben wir vorhin mit Ihnen telefoniert?“
Ich hatte die letzten fünf Stunden eigentlich mit niemand telefoniert und starrte die Herren überrascht an.
„Wegen dem Spinnenbiss.“
„Nein. Sie haben nicht mit mir telefoniert.“ An eine Spinnenbissberatung hätte ich mich ganz sicher erinnert.
„Aber wir haben gerade eben mit einem Arzt wegen der Spinne telefoniert!“
Ich dachte überrascht darüber nach wie man mich in vergammelter Alltagskleidung als Arzt erkannt hatte und zum Glück winkte hier die Pfortendame die Herren zu sich heran und wies den Weg zur Notaufnahme.
Ich verließ den Ort des Geschehens verwirrt aber zielstrebig mein Privatbett aufsuchend. Mit Spinnenbissen kenne ich mich sowieso nicht aus.


Sonntag, 7. Mai 2017

10 Dinge, mit denen man als Arzt seine Patienten in der Notaufnahme wahnsinnig machen kann:



Nach 10 Dinge mit denen sie den Dienstarzt in der Notaufnahme wahnsinnig machen können, hier nun das Korrelat für Wahnsinnig-machende-Ärzte. 

1.    Sagen sie nicht wer sie sind. Das kann man auf ihrem Namensschild nachlesen. Vergessen sie das Namensschild in der Wäsche.
2.    Ordnen sie einen Haufen Sachen an, ohne dem Patienten darüber Bescheid zu geben. Der Patient wird schon früh genug mitbekommen, dass man ihn nun zum Röntgen bringt oder dass er ab heute zehn statt drei Tabletten täglich einnimmt.
3.    Integrieren sie in ihre Sätze eine Fülle medizinischer Fremdwörter. Nur so kann ein Sachverhalt klar ausgedrückt werden. Außerdem: Je länger der Satz umso besser. Hier ein Beispielsatz: „Bei ihrer mikrozytären, hypochromen Anämie werden wir die Transferritin-Sättigung bestimmen und dann eine gastroskopische Abklärung evaluieren.“
4.    Geben sie dem Patienten einen handschriftlichen, vorläufigen Brief mit, den weder der Patient noch sein Hausarzt lesen kann.
5.    Leihen sie sich vom Patienten einen Kugelschreiber. Behalten sie den Kugelschreiber.
6.    Sagen sie, sie wüssten nicht was der Patient hat und schicken sie ihn dann reihum an alle Fachrichtungen, die ihnen so einfallen inklusive den Chirurgen, Urologen, Gynäkologen und Psychiatern.
7.    Ignorieren sie das Problem des Patienten. Sprechen sie stattdessen ausführlich über dessen Übergewicht und dass eine Gewichtsabnahme essentiell wäre. Ist der Patient nicht übergewichtig, sagen sie einfach er wäre zu dünn und unterstellen ihm eine Essstörung ihrer Wahl.
8.    Kommen sie mit ihrer schweren Erkältung trotzdem zur Arbeit.
9.    Erzählen sie ihrem Patienten, der letzte Patient mit einem normalen EKG, wäre zwei Tage später trotzdem an einem schweren Herzinfarkt verstorben.
10.  Sagen sie, sie kämen in 2 Minuten wieder. Bleiben sie 2 Stunden weg.