Samstag, 20. August 2016

Schlechte Röntgenbilder



Und dann kam Frau Holderbüch von der Aufnahme auf meine Station. Auf dem Aufnahmebogen stand doppelt unterstrichen: „Röntgenbild unbedingt kontrollieren!!!“
Man hätte wohl im Röntgen des Brustkorbes eine tumorverdächtige Formation gesehen.
„Komischer Tumor“, sagte mein Oberarzt, während er mit mir zusammen auf das Röntgenbild starrte.
„Vielleicht ist es eine atypische Tuberkulose oder ein komisches Piercing?“, schlug ich nur mittelmäßig hilfreich vor.
Wir beschlossen die Dame persönlich aufzusuchen.
Einer Eingebung folgend fragte der erfahrene Oberarzt: „Frau Holderbüch, beim Röntgen, hatten sie da auch dieses Hemd an?“
„Ja, ja.“
„Und in der linken Brusttasche haben sie da zufälligerweise was drin?“
„Ich glaube nicht“, Frau Holderbüch fischte etwas in besagte Tasche herum, um dann aber doch triumphierend ein angeknittertes Hustenbonbon hervorzuziehen, „Ah ja. Das hier! Das wollte ich nachher noch essen. Warum? War das ein Problem?“
Öh, schon irgendwie…

(Röntgendichte Bonbons, meine Fresse, ein weiterer Grund, warum man Brustkörbe eigentlich ohne Hemd röntgt.)


Sonntag, 14. August 2016

Arztgeheimnisse?



Herr Dimmsel hatte einen großen Gallenstein. Groß und klumpig saß dieser im Hauptgallengang fest. „Hier, sehen sie?“ sagte ich und deutete diffus auf den Ultraschallbildschirm.
 „Gnim“, sagte Herr Dimmsel, welcher auf Grund zahlreich verwendeter Schmerzmedikamente nicht mehr so ganz klar denken konnte.
„Da müssen sie leider bei uns bleiben“, fuhr ich, „morgen werden wir in einer endoskopischen Untersuchung versuchen den Stein zu entfernen. Die Aufnahmeschwester wird Ihnen gleich ein gutes Bett organisieren.“
„Gnim“, stimmte Herr Dimmsel zu.

„Aber Frau Zorgcooperations“, sagte Aufnahmeschwester Margarita, „Was verspricht du mal wieder für einen Mist. Wir haben kein Bett mehr frei.“
„Herrn Dimmsel könnten wir unmöglich wieder heimschicken.“
„Tja Frau Zorgcooperations, du hast schon die drei vorherigen Patienten aufgenommen, jetzt sind wir voll!“
„Meh, kannst du nicht nochmal suchen, ob wir ihn irgendwo unterbringen können?“
Schwester Margarita seufzte tief, telefonierte sich ein weiteres Mal durch alles Stationen und verkündete schließlich: „Na gut. Das ist zwar eigentlich nicht so gedacht, aber Herr Dimmsel bleibt ja hoffentlich nur kurz: Auf unserer Palliativstation, da wäre noch ein ganzes Zimmer frei. Das dürften wir ausleihen.“

Hocherfreut brachten wir Herrn Dimmsel auf diese Station, der Stein konnte schon am nächsten Morgen erfolgreich entfernt werden und am Nachmittag erschien der Stationsarzt Dr. Minzbi um den weiteren Verlauf des Aufenthaltes zu besprechen.
„Sagen sie mal“, sagte Herr Dimmsel, „sie verschweigen mir doch etwas!!“
„Wie meinen sie das?“
„Na ich sehe doch auf was für eine Station sie mich gelegt haben! Hier sind alle todkrank! Sagen sie mir was ich wirklich habe!“
„Oh“, sagte Dr. Minzbi und führte ein längeres beruhigendes Gespräch.


Samstag, 6. August 2016

Minzbikalium



Dr. Minzbi war sehr gewissenhaft. Eher so supergewissenhaft. Alles soll perfekt sein. Superperfekt. So.
Sonntagnacht nahm Dr Minzbi Frau Gräupfe auf, die einen komischen Infekt hatte. Dr Minzbi konnte auch nicht wirklich sagen, woher der kam, dieser Infekt, und das trotz sorgfältiger Untersuchungen, womit er einen längeren Zeitraum (ca. die ganze Nacht) ausgefüllt hatte. Deshalb fühlte sich Dr. Minzbi auch nicht sonderlich gut. Zu all dem hatte Frau Gräupfe auch noch eine transplantierte Niere, was jetzt nicht zur Unkompliziertheit der Angelegenheit beitrug. Aber Dr. Minzbi hatte sorgfältig ein Antibiotikum ausgewählt und für den nächsten Tag (Montag war das) nochmal einen Haufen Blutuntersuchungen angeordnet.

„Hallo Frau Gräupfe“, sagte ich, „hier brauchen wir nochmal Blut, an diesem schönen Montagmorgen und der Blutabnahmedienst hat ja nichts abnehmen können von ihnen, deswegen treffen sie jetzt mich, ihren Stationsarzt!“
Frau Gräupfe lag schlaff und schwach im Bett und sagte sie hätte keine anstechbaren Venen mehr und sie wünsche mir viel Spaß. Nach diesen ermutigenden Worten piekte ich dann irgendwie winzige Vene an und bekam tatsächlich das gewünschte Blut für zwei Abnahmeröhrchen. Als ich das letzte und dritte Röhrchen anschloss, verweigerte das Venchen aber die weitere Kooperation. Ein winziger Tropfen Blut rollte in die Monovette, das war’s. „Naja“, dachte ich mir, „auch egal, das war ja nur noch für das Kalium das in der Nacht  vor ca. 4 Stunden im niedrig-normalen Bereich gewesen war. Da brauchen wir jetzt nicht unbedingt eine Kontrolle. Das ändert sich nicht so schnell in den 4 Stunden. Hier liebe Schwester. Nimm‘ diese Röhrchen. Das für’s Kalium kannst du getrost wegwerfen. Da ist zu wenig Blut drin.“
Die Schwester war hiervon verwirrt und schickte einfach alles ins Labor. Das Labor dachte: Was ankommt muss auch analysiert werden! Sie schafften es auch tatsächlich einen Kaliumwert aus dem Blutströpfchen zu ziehen, der Wert befand sich aber jenseits von gut und böse. Damit hätte die Patientin mindestens tot sein müssen. Naja, wir wussten alle WARUM der Wert so war und das Labor schrieb nett zum Kalium-Befund dazu, dass dieser wegen eines „unterfüllten“ Abnahmeröhrchens nicht zu verwenden war.
Ich verlegte Frau Gräupfe dann noch am selben Tag in eine andere Klinik, in der sie mit ihrer Nierentransplantation besser versorgt war.

Es folgte der nächste Tag und Dr. Minzbi war frisch erholt vom Dienst wieder da. Entsetzt stellte er fest, dass seine Patientin Frau Gräupfe verlegt worden war. Ob er da Sonntag wohl eine Fehlentscheidung getroffen hatte? Hätte er sich vielleicht schon in der Nacht verlegen sollen? Sofort rief er seine Kollegin, die Frau Zorgcooperations an, die diese Verlegung veranstaltet hatte.
„Jaja, keine Panik“, sagte ich, „der Frau Gräupfe ging es halt im Laufe des Tages immer schlechter, das konntest du ja nicht wissen und da dachten wir jetzt verlegen wir sie ins Uniklinik rechts von Beteigeuze. Die haben auch die Nierentransplantation gemacht.“
Dr. Minzbi war nicht zu beruhigen und begann mir nun von den Untersuchungen der Nacht zu erzählen, wo er NICHT herausbekommen konnte, WAS das für ein Infekt war. „Hmhm“, sagte ich“, der Oberarzt hat mit mir auch alles nochmal angeschaut. Wir wissen auch nicht was genau sie hat. Mach‘ dir keine Gedanken. Ich muss jetzt aber schnell aufhören zu telefonieren, ich mache gerade Visite!“
Minzbi ignorierte meine Anmerkung über die Visite und rief nun verzweifelt: „Und habt ihr die Kaliumwertkontrolle von gestern morgen gesehen!“
„Jop. Die stimmt nicht.“ Die Begleitschwester der Visite rüttelte ungeduldig an meinem Visitenwagen.
„WIE KANNST DU SAGEN DAS STIMMT NICHT!?“ Dr. Minzbi schien der nicht mit dem Leben vereinbare Kaliumwert den Rest zu geben.
„Das ist eine Fehlabnahme.“ erklärte ich nun beruhigend.
„WOHER KANNST DU WISSEN DASS DAS EINE FEHLABNAHME IST?!!“
„WEIL ICH ES SELBER ABGENOMMEN HABE! Ich muss jetzt wirklich die Visite weiter machen!“
Dr. Minzbi grummelte dann noch etwas, warum wir den Kaliumwert nicht nochmal abgenommen hätten und hätte Frau Gräupfe schönere Venen gehabt, dann hätten wir das vielleicht sogar getan.