Sonntag, 15. Oktober 2017

Fünf einfach Schritte zum perfekten Medikamentennamen:


Der Name des Medikamentes ist sehr wichtig, denn es sollte auf keinen Fall mit einem anderen Medikament verwechselt werden und dabei distinguiert, individuell und cool sein. Damit beeindruckt man Patienten. Und Ärzte. Möglicherweise auch Apotheker.

Als gute Konzept hat sich nun dieses erwiesen, welches ich hier darlegen möchte und welches auch eine weite Verbreitung und Verwendung in der Branche zeigt.

Also der Name.

1.    Schlagen sie einmal auf ihre Tastatur: Ungefähr so: jefzfz
Dies stellt das Grundgerüst des Namens dar.

2.    Fügen sie nun willkürlich einige Vokale ein: Zum Beispiel: Jefezefez. Oder Jefuzufuz. Beides super Medikamentennamen.

3.    Wichtig ist: der Name sollte auf keinen Fall zu kurz sein, denn niemand kauft ein Medikament das Ufz heißt oder noch schlimmer Grzt. Mindestens 7 Zeichen sollten es schon sein. Je mehr umso besser, man denke nur an Daratumumab.
Ist ihr Grundgerüst also zu kurz schlagen sie lieber nochmals auf die Tastatur.

4.    Eine Grundregel für eine bessere Abhebung des Namens von anderen 08/15 Wörtern ist das Anfügen eines Buchstaben vom Ende des Alphabetes. „X, Y oder Z“ um einige beliebige Beispiele zu nennen. Rivaroxaban (Xarelto) oder Apixaban (Eliquis) machen das schon gut vor.
So könnte aus Jefuzufuz mit einigem Feintuning zum Beispiel Xefuzufuz werden.

5.    Als wichtiger Abschlusscheck sollte überprüft werden, dass es noch kein Pokémon mit dem entsprechenden Namen gibt um rechtliche Probleme zu vermeiden.
Yo.

NÄCHSTE WOCHE GROßES (evtl. auch nur mittelgroßes) QUIZ: Pokémon oder Medikament !!!

Dienstag, 3. Oktober 2017

Haleskojohogoktaxel und einen Plan mitgeben


„Jo“, sagte der onkologische Oberarzt, „und vergessen sie nicht, wenn sie Herrn Florbirkenmüller entlassen einen Einnahmeplan für sein Haleskojohogoktaxel aufzuschreiben.“
Bei Haleskojohogoktaxel handelte es sich nun um eine neue Chemotherapie, die in Tablettenform eingenommen werden konnte und im Rahmen derer Benennung, die Pharmafirma, traditionsgemäß eine hohe Dosis LSD eingenommen hatten. Wie man das eben so macht, wenn man einen neuen Namen für ein Medikament erfindet. Wer würde das nicht genauso tun?

Da nun Haleskojohogoktaxel als Chemotherapeutikum nicht gerade ungefährlich war und ich das mit dem Plan nicht versauen wollte, fragte ich also nach wie ich das denn dosieren solle. „Grmpz“, sagte der onkologische Oberarzt, dessen Tag wie bei allen onkologischen Oberärzten ca. 10 Stunden zu kurz war, „das müssen sie halt ausrechnen und ihm den Plan mitgeben!“ Dann stolperte er über seine zwei Meter lange to do Liste, welche aus seinem Hemd hing und fegte um die Ecke woanders hin.

Ich studierte die Anleitung für Haleskojohogoktaxel genau und auch die Akte von Herrn Flobirkenmüller. Der Oberarzt lief nun schon wieder um die Ecke und Krankenschwester Elisa auch. Diese wollte Herrn Flobirkenmüller besonders schnell entlassen und haute den Oberarzt gleich noch mal wegen des Plans für die Chemotablette an. „Das müssen sie halt  ausrechnen und ihm den Plan mitgeben!“ rief dieser erneut mit einem ärgerlichen Blick in meine Richtung.

Ich rechnete also die genaue Dosis aus. Schwester Elisa überwachte den Rechenvorgang. Dann überprüfte ich alles zwei Mal und schrieb schließlich einen exakten Plan, wie die Einnahme des ominösen Haleskojohogoktaxels auszusehen hatte. Morgens, mittags und abends je eine Tablette für drei Wochen, zwischendurch hatte Herr Flobirkenmüller Termine in der onkologischen Tagesklinik und würde ggf. im Anschluss einen neuen Plan bekommen.

Herr Flobirkenmüller wollte möglichst schnell heim, riss mir den Plan und Schwester Elisa die Schachtel voller Haleskojohogoktaxel aus der Hand. Weg war er.
Zwei Stunden später tauchte unser glorreicher onkologischer Oberarzt wieder auf und bemerkte: „Der Herr Flobirkenmüller ist ja schon weg! Der hat doch den Plan für das Haleskojohogoktaxel gebraucht.“
„Ja“, sagte ich, „zu Befehl, wie angeordnet haben wir die Dosis ausgerechnet und ihm einen Plan mitgegeben.“
„WIE?“ rief besagter Oberarzt, „Sie haben das ausgerechnet und ihm einen Plan mitgeben?! Ah hm!“ Irgendwie schien das auch nicht recht gewesen zu sein.
Den Plan nachträglich umgeändert hat er jedenfalls nicht. 


 

Samstag, 23. September 2017

Kalt?


Es war Sommer. Die Sonne tauchte gewisse Teile der Erdoberfläche in gleisendes Licht und das Klinikum Beteigeuze City stand direkt darunter.
Ein guter, ach was der beste Aufenthaltsort war hier die Intensivstation, denn dort gab es eine funktionierende Klimaanlage. Während der Rest des Krankenhauses sich schwitzend bei 30°C im Schatten durch den Tag quälte, arbeitete ich nun tatsächlich welche Freude glückseelig im Drift jener Klimaanlage.
Gerade veranstaltete ich zum Beispiel ein Arztgespräch mit Familie Klompmaier, deren Familienoberhaupt mit schwerem Herzinfarkt bei uns weilte.
„Also“, sagte Frau Klompmaier nachdem wir die Herzinfarktbefunde von allen Seiten beleuchtet hatten, „hier ist es ganz schön kalt, auf dieser Intensivstation!“
„Oh, öh, wir haben eine gute Klimaanlage“, sagte ich, „da haben wir normale Raumtemperatur. So 20 bis 21°C. Im restlichen Krankenhaus ist es sehr viel wärmer. Ihr Mann hat also zumindest diesbezüglich Glück, hier zu sein.“
„Hmhm, ich weiss‘ nicht!“ Frau Klompmaier schien dies nicht zu überzeugen, „ich finde es zu kalt Frau Dr. äh Dings. Vielleicht bringen sie meinem Mann lieber eine Extradecke. Da sollten sie mal lieber aufpassen“, schloss sie dann noch mit einem wichtigen Tipp, „nicht dass ihre Patienten hier alle eine Lungenentzündung bekommen, bei dieser Kälte!“


Sonntag, 10. September 2017

Extra-Schweigepflicht



Zu den Dingen, mit denen man Arzt Angehörige verärgert, gehört es am Telefon Leuten, die man noch nie gesehen hat, keine Auskunft zu geben.
„Aber ich bin der Sohn und wir wohnen in Australien!“ „Ja äh tut mir Leid. Aber wir können das aktuell nicht nachprüfen und Schweigepflicht und so.“ „Gaahahhrgghlll! ICH BIN ABER DER SOHN!!“ „Hmhm.“
Natürlich haben wir dann ein schlechtes Gefühl, denn wer will schon Vater und Sohn so trennen und mit etwas Glück kann man dann meist eine Lösung finden.
Aber bevor die Versuchung zu groß wird am Telefon unbekannten Angehörigen etwas zu erzählen, nun auch dies:
„Ja hallo ich bin Frau Zogumbi. Ich bin die Verlobte von Herr Britzl. Wie geht es ihm denn?“
„Äh, das tut uns Leid Frau Zogumbi. Wir können am Telefon nicht so einfach Auskunft geben. Am Besten sie rufen ihren Verlobten selber an.“
„Er schläft aber die ganze Zeit, wegen der vielen Untersuchungen, und geht nicht ran!“
 „Können sie denn vorbeikommen?“
„NEIN!“
„Hm. Da fällt mir ein, vorhin war ja erst die Freundin von Herrn Britzl da? Das waren dann sie?“
„Nein ich war NICHT da und ICH BIN AUF JEDEN FALL DIE VERLOBTE!“
Inzwischen hatte ich die Befürchtung, Herrn Britzls geheimes Privatleben unvorsichtigerweise zerstört zu haben. Frau Zogumbi forderte weiter vehement Auskunft. Was für ein blödes Krankenhaus das hier eigentlich wäre
Ich wanderte nun zu Herrn Britzl ins Zimmer – ein Glück, der Patient durchstörte wach eine Tageszeitung – und schaltete die Verlobte in die Warteschleife: „Herr Britzl, da ist ihre Verlobte Frau Zogumbi am Telefon und möchte Auskunft?“
„GAAH!“ rief Herr Britzl, „ich habe gar keine Verlobte! Das ist meine Ex-Verlobte! Geben sie der bloß keine Auskunft!“
„Ah“, sagte ich und erklärte Frau Zogumbi freundlich, dass eine Auskunft leider nicht möglich wäre.